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Geyser — bekannt durch seine Arbeiten über die Denkpsychologie und durch sein größer angelegtes Lehrbuch der allgemeinen Psychologie — huldigt ganz ausgesprochen der alten scholastischen Richtung: Aristoteles, Augustinus, Thomas v. Aquin gelten ihm als Wegweiser. Dabei bieten seine Auffassungen eine Fundgrube von primitiven Randbevorzugungen, wie Referent das Stehenbleiben bei Extremen und das Suchen nach den Rändern genannt hat: der Mensch ist natürlich das vollständigste Geschöpf auf Erden, er besitzt — nicht aber das Tier — einen Geist. Natürlich muß Geyser sich viel mit Gott, mit dem höchsten Gute, mit Ursprung und Endschicksal der Seele (selbstverständlich ist nur die menschliche Seele unsterblich) beschäftigen. Er kennt nur rationale und moralische Gründe, aber keine anthropologisch-entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhänge im Inhalte dieser Ideen, obzwar Geyser sonst mit dem Entwicklungsgedanken in gutem Einvernehmen zu sein scheint („die seelischen Vorgänge unserer Affekte, Willens- und Denkakte usw. … sind etwas, das sich in einer gewissen Zeitspanne in uns entwickelt …“ — S. 13).
Geyser ist der Assoziationspsychologie feindlich gesinnt. Die Hauptgedanken, welche seine ganze Psychologie durchwehen, sind die „Einheit unseres Ichs“ und die „Intentionalität“ (d. h. inneres Gerichtetsein auf ein Objekt) als allgemeinste Natur des Bewußtseins. Einzelne Kapitel sind lehrreich, besonders dasjenige, welches über die Begriffe handelt; meistens findet man aber nichts anderes als Klassifikationen und Definitionen. Auch trifft man viele Unklarheiten an, so wird vom „unbewußten“ Seelenleben öfters gesprochen, ohne unzweideutig auszusagen, was darunter zu verstehen sei. Von psa. Erkenntnissen nirgends eine Spur.
Dr. I. Hermann (Budapest).