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Es war ein glücklicher Gedanke, ein einführendes Buch über die medizinische Psychologie zu schreiben, das eine richtige Grundauffassung des Seelenlebens geben will. Diese Grundauffassung wird hier darin zusammengefaßt, daß das Bewußtsein
in durchgreifendem Lebenszusammenhang steht; jedes Denken und Handeln gehe aus dem ganzen Menschen hervor, was in einer Wahrnehmung auflebt, sei stets die gesamte Vergangenheit, Verstand und Gefühl seien wesensgleich. (Nebenbei soll bemerkt werden: dieses Suchen der Ganzzusammenhänge und Vernachlässigung der Teile ist eine Zeitströmung, die in den Geisteswissenschaften sowie in den Naturwissenschaften verfolgt wird.) Die üblichen Kategorien der Psychologie, der Charakterologie und Neurosenlehre seien nur künstliche Verselbständigungen, wie auch Traum, Lüge, Zwangsgedanke, pathologisches Angstgefühl Verselbständigungen seien. Die Therapie müsse diese Verselbständigungen mit Hilfe der Grundfunktionen des Bewußtseins — Verknüpfung und Unterscheidung — wieder in die Ganzheit einzuschmelzen suchen.
Weniger glücklich ist die Art, wie vom Verfasser die Psychoanalyse einmal zur Unterstützung eigener Ansichten, ein andermal mit Vorwürfen beladen herangezogen wird. Verfasser scheint die Psychoanalyse nur als eine Methode zu kennen, welche hinter den manifesten die latenten Inhalte aufsucht (welcher Tendenz Verfasser zustimmt); von Übertragung, vom Unbewußten als psychischem System, von einer aktiven Therapie nimmt er keine Kenntnis. Die Behauptung, daß nicht jeder Fall zur psychoanalytischen Therapie geeignet sei, sondern die Gesamtlebensumstände und Zusammenhänge bei der Indikationsstellung in Erwägung zu bringen sind, entspricht seit jeher den Ansichten Freuds.
Verfasser will eine neue Methode des Beobachtens in die Neurosenlehre einführen, worin der Gesamtzusammenhang als Forschungsprinzip gelten und gegenüber der Einzelbeobachtung die Wahrscheinlichkeitsbestimmung (hier Berufung auf Bleuler) mehr zu Worte kommen soll. Er verspricht die An