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Der Psychologie des Denkens soll hier näher gekommen werden, und zwar durch kritisch-psychologische Betrachtung des einfachen Schlußprozesses, des Syllogismus (mod, barb.). Die bisherigen Theorien des Syllogismus sollen die Sachlage vom Standpunkte eines Gelehrten beleuchten, der bereits alles weiß und
alles durchschaut hat und nur mehr ordnen will; dieses Standpunktes wegen soll die Frage der petitio (der Obersatz enthält bereits die Aussage des Schlußgedankens) bis heute unerledigt geblieben sein. Man soll demgegenüber logisch-genetisch betrachten, dann müsse man gewahr werden, daß hier ein wirklicher Gedankenfortschritt, eine „Umzentrierung“, ein „Herausfassen“ vorliegt. Der Weg des Schlußprozesses vom Obersatze zum Schlusse, sei durch sogenannte Struktureigenschaften der Begriffe, der Kenntnisse geleitet, es sei kein Zufall, wenn gerade der vorgefundene Mittelbegriff die Brücke zwischen Obersatz und Schlußsatz bildet. Die Sinnhaltigkeit des Syllogismus soll durch die innere Struktur bedingt sein (und nicht durch die rationale Überlegung): „und tatsächlich sind die schönsten Prozesse (wie rein liegt das z. B. bei den Einsteinschen Entdeckungen!) gerade dadurch ausgezeichnet, daß sie die Sachlage von falschen rationalistischen Ingredienzen reinigen, die Sachlage in Reinheit herzustellen suchen.“ (Vgl. mit Freuds Jenseits des Lustprinzips; „Der sogenannten Intuition traue ich bei solchen Arbeiten wenig zu; was ich von ihr gesehen habe, schien mir eher der Erfolg einer gewissen Unparteilichkeit des Intellekts.“)
Daß Wertheimer gezwungen ist, von „innerer Struktur“ usw. zu sprechen, folgt aus der Vernachlässigung seinerseits der unbewußten Prozesse, der psychischen Systeme, der Rolle der Verdrängung, aus dem Nichtauseinanderhalten des Vorbewußten und des Bewußten, des Gedankenfortschritts und der Gefühlsübertragung. — Bemerkt sei noch, daß über die produktive, zentrierende Natur der individuell-neuen Erkenntnisse Referent bereits anfangs 1919 einen Vortrag hielt.
Dr.