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Zur Charakteristik dieses Buches genügt folgendes Zitat: „Die Freudsche Theorie lautet, — kurz zusammengefaßt, — daß jeder Traum irgendeinem Wunsche Ausdruck verschafft, den der Träumer in seinem Wachleben nicht erfüllen konnte, ja nicht einmal auszudenken wagte, sei es wegen seines irgendwie abstoßenden oder naturwidrigen Inhalts, oder weil er der schärfsten Kritik der Nebenmenschen
ausgesetzt wäre. Diese Wünsche haben ihren Ursprung im Triebleben, so daß Freud, um für das Träumen bei Kindern eine Erklärung zu finden, genötigt war, schon von sehr kleinen Kindern anzunehmen, daß sie denselben Leidenschaften und Neigungen unterlegen seien wie erwachsene Personen; es ist das jener Satz, durch den Freud so großen Anstoß erregt hat und der alle vernünftig Denkenden mehr denn je von dem Thema abgeschreckt hat, vor allem, da Freuds Theorie bald eine Anzahl Schüler nach Wien zog, die das Anstößige um seiner selbst willen suchten, so daß die Arbeiten, die sie auf Grund der vom Professor aufgestellten Richtlinien leisteten, oft die Unanständigkeit zu ihrem Hauptzweck hatten. Freuds Begriff der Sexualität, den er in erweitertem Sinn gemeint hatte, wurde so immer mehr eingeschränkt, und die Funde seiner Schüler ihm vielleicht mit Unrecht zum Vorwurf gemacht“ (S. 11 und 12).
An einer andern Stelle erklärt der Autor, daß „Rivers der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen hatte, indem er … das ganze Thema in eine verständlichere und anziehendere Form gebracht hatte“ (S. 19). Im ganzen Buch finden sich die phantastischesten Traumdeutungen des Autors. Vielleicht am belustigendsten klingt die Behauptung, daß Schlangen in Träumen gewöhnlich „ein Symbol für Freundesverrat“ darstellen (S. 65).
Man kann nicht behaupten, daß diese Mischung von grober Unwissenheit, Böswilligkeit und Voreingenommenheit eine sehr würdige Basis für ein derartiges Buch bildet. Der einzig lesbare, aber auch äußerst oberflächliche Abschnitt ist das Schlußkapitel über „Träume und Dichtung“.
Dr. Ernest Jones (L