You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die klinische Beobachtung, an welche der nachfolgende kriminal-psychologische Versuch sich anlehnt, entstammt nicht der psychoanalytischen Praxis im strengen Sinne des Wortes. Es handelt sich um die Schicksale eines Mannes, den ich im Jahre 1918 als Militärarzt psychiatrisch zu begutachten hatte, und den ich fünf Jahre später unter eigentümlichen Umständen wiedersah. Die gemessene Zeit einer gerichtlich angeordneten Beobachtung, ebenso wie die Arbeitsverhältnisse auf einer Untersuchungsstation ließen eine regelrechte Psychoanalyse nicht zu.
Nun bietet aber das Leben jenes Mannes — den ich fortan „N.“ nennen werde — in psychologischer Hinsicht ganz Außergewöhnliches dar; ein in neuerer Zeit eingetretener Umschwung seines sozialen Verhaltens steht in einem grellen Widerspruch zur psychiatrischen Erfahrung. Eben dieses Außergewöhnliche und mit der Erfahrung Kontrastierende erfährt aber eine befriedigende Aufklärung, wenn wir ganz geläufige, empirisch fest begründete Ergebnisse der Psychoanalyse zu Rate ziehen. Anderseits erscheinen aber die Tatsachen des Falles N. wohl geeignet, die Psychoanalyse auf eines ihrer künftigen Anwendungsgebiete — die Kriminalistik — in besonderer Weise hinzulenken. Ich hege darum die Hoffnung, daß die Eigentümlichkeiten des Falles seine Publikation in dieser psychoanalytischen Zeitschrift vor den Augen der Leser rechtfertigen werden.
N. war 22 Jahre alt, als er in den Militärdienst eintrat. Er hatte schon damals eine Reihe von Freiheitsstrafen durch bürgerliche Gerichte in verschiedenen