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Die völlige Ablehnung der Psychoanalyse, führt der Verfasser aus, sei heute wissenschaftlich nicht mehr möglich, in diesem Sinne sei der „Kampf um die Psychoanalyse“ bereits entschieden. Aber an Lücken und Widersprüchen leide die Psychoanalyse. Im Grunde genommen nur eine Triebanalyse, beansprucht sie zu Unrecht eine eigentliche Seelenkunde schlechthin zu sein. Freud habe in der Leonardo-Studie eingeräumt, das spezifische Wesen künstlerischer Leistung sei ihm psychologisch unzugänglich und habe für die Bestimmung der Verdrängungsneigung und der Sublimierungs Fähigkeit der Biologie den Platz überlassen. Es sei höchst sonderbar, daß gerade die höheren Strebungen auf die organischen Grundlagen des Charakters zurückgeführt werden sollen, könnte man doch eher meinen, daß vielmehr die primitiven animalischen Triebe biologisch — und nicht psychoanalytisch — erfaßbar seien. Die Grundlage der Freudschen Neurosenlehre sieht Michaelis in der Lehre von den Konflikten bei Nichtbefriedigung triebhafter Wünsche; alle Problematik des Menschen scheint also in der Frage der sexuellen Freiheit und Befriedigung zu wurzeln; rücksichtslose Befriedigung scheint das Zeichen des Vollmenschen zu sein. („Das allzu häufige Mißverständnis vom ‘Immoralis-mus’, das Nietzsche in ganz anderem Sinne prägte, findet hier Nahrung.“) Gewissen sei nach Freud ein von außen auferlegter Zwang, die Verkörperung zunächst der elterlichen Kritik, in weiterer Folge der Kritik der Gesellschaft. Seine Durchbrechung zur Erfüllung der Triebbefriedigung scheint durch die Psychoanalyse nicht nur entschuldigt, sondern geradezu gefordert. Und dennoch: wenn man tiefer in die Arbeiten Freuds eindringt, finde man, daß dies nicht seine Absicht ist. Vielmehr sollen die Triebe gebändigt, sublimiert werden. „Aber gerade das Wesen dieser Sublimierung bleibt ja im Dunkel, und überdies hat Freud mehr als einmal direkt Einspruch erhoben, daß etwa ‘Ideale dem Patienten aufgedrängt warden’, um