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Im Grunde hat der Verherrlicher des „Es“ nur eine literarische und wissenschaftliche Verpflichtung — die zur Lebendigkeit, und da G. diese Pflicht voll erfüllt, wäre es sinnlos, mit ihm in Nebenpunkten rechten zu wollen. Stilistische Kraft, Schlagfertigkeit, Geist, Witz und Phantasie, sie alle sind in dem Buch zu finden, aber sie alle würden es kaum verhindern, daß das Interesse des Lesers erlahme, noch ehe er bis zur Hälfte des Buches gekommen ist. Der Verfasser verzichtet nämlich auf jeden Aufbau, auf jede Entwicklung, auf alles, was irgendwie als Spannungsmoment, als „Endlust“ gewertet werden könnte. Man kann das Buch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und weiterlesen, ja streng genommen steht auf jeder Seite dasselbe. Wenn man die 500 Seiten trotzdem ohne Ermüdung, ja eher mit steigendem als schwindendem Vergnügen lesen kann, so ist der Grund eben nur in jener einen, entscheidenden Tugend zu sehen: Das Buch ist wie das Leben selbst, interessant, auch dort, wo es sich zu wiederholen scheint, vieldeutig schillernd, schwer im Einzelnen zu fassen und noch schwerer als Ganzes zu übersehen.
Man darf es der Psychoanalyse als Verdienst anrechnen, daß gerade sie es ist, die diese unmittelbare Lebensempfindung sich als passendstes Gefäß und Ausdrucksform wählen mußte. Daß diese „Selbstdarstellung des Unbewußten“ mit einer Wissenschaft restlos verschmelze, wäre ein unbilliges Verlangen.
Hanns Sachs (Berlin).