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Ein gehaltvoller und anregender Essay, lesenswert wäre, wenn der Verfasser eine der dem Psychoanalytiker auch dann gewisse Abhängigkeit seiner Anschauungsweise
von der Psychoanalyse nicht bewußt hervorheben würde. Gewissermaßen als psychologische Basis wird der Preud-sche Satz zitiert: „Das Ich wird auf jeder Stufe seiner Entwicklung-bestrebt sein, mit seiner derzeitigen Sexualorganisation in Einklang zu bleiben und sie sich einzuordnen.“ Drei Phasen unterscheidet Brinckmann im Leben des Künstlers. Kindheit und Jugend faßt er als eine erste Phase zusammen. („Nach den Untersuchungen Freuds erscheinen die Pubertätsjahre nicht mehr als ein Bruch, sie bekräftigen, einzig eine Entwicklungsrichtung.“) Triebhaft, wenn auch oft mit katastrophalen Zwischenfällen psychischer und physischer Art entfalte sich die erste Phase geistiger Entwicklung bis zur Mitte der Dreißigerjahre. Der Standpunkt in dieser Phase sei oft schwankend, der Einfluß anderer Meister entscheidend, es bestimme der Instinkt, nicht die wertende Urteilskraft. Um das fünfunddreißigste Lebensjahr vollziehe sich die Wandlung zur zweiten Phase. „Nel mezzo del cainmin di nostra vita“, so beginnt der fünfunddreißigjälirige Dante die Göttliche Komödie. Mit siebenunddreißig Jahren geht Goethe nach Italien. Dieser Abschnitt sei entscheidend. Statt des Schwankens und des Reichtums der Gesichte nun überall in den Handlungen geistige Stetigkeit, Einsicht und Erkenntnis der Beziehungen. Alle Keime geistiger Entfaltung scheinen in der ersten Phase weit bis in die Kinderjahre hinein zu liegen. Jetzt aber erst bekommen sie ihren bestimmten Platz und ihren bestimmten Wert innerhalb des individuellen geistigen Komplexes, sie wachsen sich auf eine Gesamtrelation hinaus. Um das sechzigste Lebensjahr tritt der Künstler in die letzte, dritte Phase ein. Diese Phaseneinteilung ergibt sich dem Verfasser aus der Analyse der künstlerischen Entwicklungen. Er sieht sie — unter Hinweis auf die Psychoanalyse — auch biologisch verankert.