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Eine breite Kluft liegt zwischen den geisteswissenschaftlichen Arbeiten psychoanalytischer Richtung und den meisten Fachwissenschaften. Letztere verschließen sich hartnäckig vor einer sachlichen Nachprüfung der analytischen Hypothesen und Theorien und verschaffen sich durch ihre Unwissenheit den Vorteil, den Analytikern willkürliche Hirngespinste nachsagen zu können, ähnlich jenen Astronomen, die sich weigerten, durch Galileis Fernrohre zu blicken, um ihn als Ketzer und Phantasten abtun zu können. Die Psychoanalytiker aber betraten in ihrer Entdeckerfreude mitunter Gebiete, die sie nicht genügend beherrschten und erhöhten dadurch nicht eben das Ansehen der von ihnen vertretenen Sache.
König weiß von der Psychoanalyse wenig. Wo der Erfahrene hundertfach beobachtete Tatsachen als Basis analytischer Argumentation kennt, fällt König in das Entsetzen des Neulings, der mit Ausrufs- und Fragezeichen aufrückt, wo er Gründe liefern sollte. Damit setzt er sich der Gefahr aus, von den Gegnern nicht ernst genommen zu werden. Ich bin jedoch der Ansicht, daß gerade Analytiker, die sich mit dem Alten Testamente befnssen, sein Büchlein sorgfältig prüfen sollten. In der Exegese mancher Stellen bietet er bemerkenswerte Einwände dar, wenn er auch das Gesamtbild psychoanalytischer Bibelboarbeituug nicht wesentlich beeinflussen kann.
Pfister (Zürich).