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Der Verfasser versichert zwar, daß es ihm mehr auf Feststellung der im Seelenleben Ludwigs XIII. herrschenden Sexualtendenz, als auf die einzelnen Fakten homosexuellen Verkehrs ankomme, er verfährt aber durchaus mehr nach Art eines Untersuchungsrichters als eines Psychologen. Dazu gesellt sich ein erbärmliches Aktendeutsch, das sich ohne Not in unendlich langen Schachtelsätzen ergeht (so auf Seite 7 ein Absatz von 15 Zeilen, der aus einem, noch dazu ziemlich inhaltslosen Satz besteht) und gelegentlich die wunderlichsten Stilblüten hervorbringt, z. B. S. 17: „Die ganze sexuell geschwängerte Atmosphäre, in der er aufwuchs: dies schon dem Kind offenbarte Beispiel des weibertollen Vaters (mit ähnlichen schmückenden Beiworten versieht der Autor bei jeder Gelegenheit den genialen Herrscher und Beileger des Religionszwistes, Heinrich IV.), der aus seinen Liebschaften und unehelichen Kindern dem legitimen kleinen Sproß kein Hehl machte, die frühzeitige, wenig zartfühlende Art der Aufklärung über die sexuellen Geheimnisse, der fortwährende, ans Zynische grenzende Hinweis der Dienerschaft auf Beischlaf und Buhlschaft, die Ausmalung der Reize der zukünftigen Gattin und die Beschreibung des Ehebundes mit allen geschlechtlichen Realitäten, dieses ganze in sexnalibus derbe Milieu und diese den Satz „naturalia non sunt turpia“ in oft recht wenig dezenter Weise demonstrierende Erziehung … Wie demonstriert man diesen Satz in sehr dezenter Weise?
H. Sachs (Berlin).