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Vortrag in der „Nederlandsche Vereeniging voor Psycho-Analyse“ am 2. Dezember 1922
Die verdienstvollen Forschungen von Bardas, Graf, Hitschmann, Lach, Pfeifer, Rank, Revesz, Teller, die sich mehr oder weniger psychoanalytisch mit Musikproblemen beschäftigen, beschränken sich auf die Kompositionen selbst, ohne jedenfalls den lebenden Komponisten persönlich zu vernehmen. So spricht Pfeifer in seiner gründlichen Abhandlung über Robert Lachs Studien zur Entwicklungsgeschichte der ornamentalen Melopöie1 hauptsächlich über die reproduzierende Musik, über den Ursprung der Töne, des Gesanges usw. Lach betont den Zusammenhang zwischen Gesang und Libido, beweist auf Grund von Darwins Theorie, daß Gesang und Sexualleben der Völker miteinander in engstem Zusammenhang stehen, sowie daß die Gipfelpunkte des Gesanges und des Sexuallebens der Vögel meist im Frühjahr zusammenfallen. Weiter betont er die Sublimierungstendenz der Musik und ihre Bedeutung als Kraft — Affekt — Entladung. Die Ursache dieser phänomenalen Modifikation des Sexualtriebes liegt in der Verdrängung. Max Graf behandelt in seinem ausgezeichneten Buche „Die innere Werkstatt des Musikers“ auch die Kompositionen. Er weist unter anderem auf das Suchen nach Ausdruck für alle Affekte in der Musik hin. Er zergliedert manche Schöpfung großer Meister in bezug auf Aufbau, Melodie, Rhythmik usw. Graf findet keine direkte Umformung von krankhaften Neigungen in Töne. Er treibt aber keine pathologische Anatomie der Musik, und das ist gerade das, was ich anstreben wollte.
Einen der besten Anhaltspunkte für die Musikanalyse findet man in der symphonischen Dichtung oder in der sogenannten Programmusik. Man kommt aber ohne unmittelbare Analyse des Komponisten meistens