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Die entscheidende Tatsache, daß gleiche und ähnliche Märchenmotive sich bei den verschiedensten Völkern finden, wurde zuerst von den Brüdern Grimm erkannt. Damals begann die Märchenforschung, deren Hauptaugenmerk sich auf das Sammeln und Zusammenstellen von Motiven richtete. Bald versuchte man auch, mit mehr oder weniger Erfolg, den „Sinn“ dieser eigenartigen künstlerischen Produkte zu fassen.
Die psychoanalytische Methode mit ihrem tiefen Eindringen in die Psyche des Kranken, des Kindes und des Volkes hat auch ein ganz neues Licht auf diese Probleme geworfen. Mythen- und Märchenforschung ist bereits ein eigenes Teilgebiet dieser Wissenschaft geworden. Abgesehen von der neuen Art, den, „Sinn zu deuten“, sind diese Arbeiten in ihrer Zusammenstellung den früheren ähnlich; denn entweder werden größere Märchengruppen unter einem bestimmten Gesichtspunkt betrachtet, oder man verfolgt ein Motiv durch eine Anzahl Erzählungen.
Innige Zusammenhänge bestehen zwischen Traum und Murchen — dies ist seit Freuds „Traumdeutung“ unabweisbar klar.
Wir haben nun in vorliegender Arbeit versucht, die Methode der Traumdeutung konsequent auf die Märchendeutung zu übertragen, d. h. wir haben Stück für Stück des Märchentextes herausgegriffen und analysiert, als ob ein Traum vorläge. Dabei erwiesen sich auch die kleinsten, bisher noch unbeachteten Details als sinnvoll und psychisch determiniert.
Das analysierte Märchen ist der Sammlung von F. S. Krauß: „Sagen und Märchen der Südslaven“ (Leipzig 1884, bei W. Friedrich), entnommen. Es heißt „Der Sohn der Königstochter“ (1. Bd., Nr. 41) und wurde wegen seiner Beziehung zur Rolands-Sage, wie wegen des in ihm enthaltenen „Fleck“-Motivs eines Teilmotivs des Inzestproblems gewählt.
Vor die eigentliche Deutung stellen wir eine gedrängte Inhaltsangabe der Erzählung.