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Ein ganz vorzügliches Büchlein! Es liest sich wie Dichtung, wie gute Novellen, und doch stehen lauter wirkliche Geschichten aus dem Schullehen drin. Zulligers neues Werk gehört zu denjenigen, von denen man gerade das Wesentliche in einer Besprechung nicht wiedergeben kann. Es will selber gelesen sein.
Sein Inhalt beweist am besten, wie recht der Verfasser hat, wenn er sagt: „Der Pädagoge, der die psychoanalytischen Errungenschaften kennt, wird seine Zöglinge besser verstehen, anders beurteilen, anders behandeln und vor allem solche erzieherische Hilfen vermeiden, die einen Fehler nur noch verschlimmern.“ Zulliger betont aber, daß nur der durch einen tüchtigen Analytiker analysierte Lehrer, der überdies die psychoanalytische Literatur gründlich studiert habe und der beständig mit einem Arzt in Verbindung bleibe, es verantworten dürfe, die Psychoanalyse praktisch auszuüben. Der Lehrer wird in der Regel bei eigenen Schülern keine „Durchanalysen“ machen. Er tut nur, was unbedingt notwendig ist, um zu helfen (kleinere Gelegenheitsanalysen). Der Erzieher verwendet auch die suggestive Beeinflussung, die aber gerichtet und determiniert ist von der vorhergehenden psychoanalytischen Arbeit.
In außerordentlich feiner Weise schildert uns Zulliger Fälle von Selbstbestrafungs-, Sühne- und Opferhandlungen, die er in seiner Schule beobachtete. Die Analyse eines „Wahrheitsfanatikers“ darf als Meisterstück bezeichnet werden. Es wird darin gezeigt, wie eine schwere Lebenslüge, die größtenteils unbewußt geblieben ist, den krampfhaften Wahrheitsdrang entstehen ließ. Es geht aber auch aus diesem Büchlein hervor, daß Zulliger durch das Studium der psychoanalytischen Literatur seine analytische Bildung bedeutend vertieft hat und daß er die Technik meisterlich handhabt.
Furrer (Zürich).