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Wenn wir versuchen wollten, das imposante Lebenswerk Sigm. Freuds vom Standpunkte des Biologen mit zwei Worten zu charakterisieren, so könnten wir wohl kaum eine zutreffendere Aussage darüber machen, als die, daß es von Anfang an von einer eminent biologischen Einstellung des Forschers getragen und befruchtet war. Zu einer Zeit, da die alte „Schulpsychologie“ die Psyche fast gänzlich in eine seelenlose Mechanik von Sinnes-„Erlebnissen“ aufgelöst hatte (indem sie fortgesetzt das Instrument der Seele — den cerebrospinalen Wahrnehmungs- und Reaktionsapparat — mit dieser selbst verwechselte), entdeckte Freud die primäre Triebbedingtheit alles seelischen Geschehens und schuf so die erste auch praktisch — am Krankenbett — brauchbare, weil von biologischen Gesichtspunkten getragene Psychologie. Trotzdem — oder besser, gerade weil diese neue Psychologie zunächst rein praktischen Zwecken — der Heilung seelenkranker Menschen diente und daher fern von voreiliger Spekulation auf jahrzehntelanger mühevoller und streng induktiver Detailforschung aufgebaut war, konnte Freud auf diesem sicheren Fundament schließlich jenes stolze, in sich geschlossene und, fast möchte man sagen, weltumfassende wissenschaftliche Lehrgebäude errichten, das die Psychoanalyse in ihrer heutigen Gestalt darstellt.
Ein wesentliches Merkmal der psychoanalytischen Lehre wurde von jeher darin erblickt, daß sie, im Gegensatz zur alten Bewußtseinspsychologie,