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Als ich vor etwa fünfzehn Jahren mit der Psychoanalyse bekannt wurde, erholte ich mich gerade von der Enttäuschung, die mir die experimentelle Psychologie bereitet hatte. Aus den ersten mir zugänglichen psychoanalytischen Arbeiten gewann ich den Eindruck, daß hier für den Psychologen und Pädagogen mehr zu holen sei, weil sie entgegen der mechanistischatomistischen experimentellen Psychologie eine rein psychologische Einstellung, eine dynamische Auffassung des Seelischen und damit eine organische Psychologie versprachen, die dem pädagogischen Denken und Handeln angepaßter ist. Ich sah mich in der Folge nicht enttäuscht. Im Gegenteil, meine Erwartungen wurden durch die seitherigen Forschungen Freuds und seiner Schüler weit übertroffen. Die Entwicklung der Psychoanalyse in dieser Zeit kann einem Wandern in einer Gebirgslandschaft verglichen werden, wo aufsteigend neue und weitere Horizonte sichtbar werden. Es liegt dies ganz im Wesen des systematischen wissenschaftlichen Arbeitens, daß versucht wird, eine gewonnene Kenntnis in einen allgemeinen, letzthin universellen Zusammenhang einzuordnen und in einer solchen Ordnung zu verstehen.
Im folgenden möchte ich eine solche Wanderung im kleinen unternehmen und nicht davor zurückschrecken, die Fahrt „ins altromantische Land“ auszudehnen. Ich wähle hiezu den Begriff der Identifikation. Er tritt uns in der psychoanalytischen Literatur häufig entgegen, so daß anzunehmen ist, daß er eine bedeutungsvolle psychologische Tatsache meint. Auf den ersten Blick scheint dieses Unterfangen hoffnungslos zu sein, denn wir werden gewahr, daß unter Identifikation anscheinend Verschiedenes gemeint wird. Ist es der gleiche Vorgang, wenn ich sage: „er identifiziert sich mit seinem Vater“, oder: „er identifiziert sein Liebesobjekt mit der