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Erwachsensein, d. h. die Erledigung des Ödipus-Komplexes und die volle Entwicklung des Realitätssinnes sowohl auf der Ich-Seite wie auf der libidinösen Seite (erotischer Realitätssinn),1 ist eine Aufgabe, an der wir unser Leben lang arbeiten. Im Leben der Völker spielt dieses Problem eine ebenso große Rolle, wie im Leben des Einzelnen. Es gibt infantile Völker genau so wie infantile Menschen und in den sozialen Einrichtungen der verschiedenen Nationen spiegeln sich alle Entwicklungsstufen und Regressionsmöglichkeiten, die wir im Seelenleben des Individuums auffinden können. Innerhalb des infantilsten Volkes gibt es natürlich erwachsene Menschen, doch die Einstellung der anderen zu diesen und der Platz der ihnen zugewiesen wird, sind charakteristisch für die Entwicklungsstufe, die die Kultur eines Volkes im allgemeinen erreicht hat. Besonders aufschlußreich ist in dieser Beziehung das Studium des Häuptlingswesens und der politischen Organisation, da unter primitiven Verhältnissen eben die Häuptlinge und führenden Männer die „erwachsenen“ Mitglieder des Stammes sind. Die analytische Erfahrung hat uns gelehrt, daß jede Autorität ein Abkömmling der elterlichen Autorität ist. Die Einstellung zur Autorität im allgemeinen zeigt uns daher am besten, auf welche Weise und bis zu welchem Grade die Erledigung des Ödipus-Konfliktes gelungen ist.
Das Studium der Prärie-Indianer Nordamerikas bot mir Gelegenheit, eine besondere Form des Häuptlingsideals und den entsprechenden Lösungsversuch des Ödipus-Komplexes zu analysieren. Ich nannte dieses Häuptlingsideal den „Familienvater“, da sein Charakter dem, was wir heute