You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wir verdanken der Psychoanalyse reiche Einsichten in die Psychologie der Tragödie.
Nicht allein, daß wir durch sie erfahren haben, daß die von der Ästhetik postulierte „tragische Schuld“ des Helden eigentlich von den verdrängten Ödipus-Wünschen des Dichters abzuleiten sei, hat sie uns überdies auf die seelische Wechselbeziehung zwischen Dichter und Zuhörer, d. h. auf die Gemeinsamkeit der Schuld als auf das entscheidende psychologische Moment aufmerksam gemacht, welches es dem Dichter überhaupt erst ermöglicht, sein Werk zu schaffen und anderseits dem Zuhörer die Aristotelische „Reinigung der Leidenschaften“ bringt. Vor allem hat ja Freud1 in der antiken Tragödie die psychologischen Anklänge an das Urverbrechen festgestellt; an dieser Spur festhaltend, hat Winterstein2 vor kurzem die Anfänge der Tragödie zum Gegenstand eingehenden Studiums gemacht und dieselben gründlichst durchleuchtet.
Und all dem gegenüber, wie wenig hat sich die Psychoanalyse um die Komödie gekümmert! Ein Aschenbrödel neben ihrer so pompös einherschreitenden Schwester war sie bis nun kaum Gegenstand eines nennenswerteren Interesses und wurde höchstens in das Souterrain der Forschung, in die „Fußnoten“ verwiesen, und dort mit wenigen Worten abgetan.
Und dennoch erscheint mir das komische Drama durchaus einer ernsten und eingehenderen Untersuchung würdig. Nicht etwa allein deshalb, weil darin auch das Problem des Komischen gelegen ist, bekanntlich eines der