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Bei der grundlegenden Bedeutung, die die Psychoanalyse dem Familienkomplex beilegt, entsteht — wofern man nur der Ansicht ist, daß die Bezeichnungen dem Bezeichneten entsprechen — die Frage, inwiefern die Wörter „Vater, Mutter, Sohn, Tochter, Bruder, Schwester“ in ihrer Etymologie etwas von den Beziehungen erkennen lassen, in die wir sie auf Grund der psychoanalytischen Erkenntnisse zu bringen pflegen. Die Sprache, zu den urältesten Erbteilen des Menschengeschlechtes zählend, müßte jene urältesten Affekte, die der Familienkomplex umfaßt, bestätigend widerspiegeln. Wenn dem so ist, nimmt es nur Wunder, weshalb die Sprachforscher nicht schon längst die Erkenntnisse Freuds vorweggenommen haben. Man liest voll gespanntestem Interesse die Ansichten der Etymologen über die Bedeutung dieser Wörter nach und findet — widersprechende Meinungen in bezug auf das Linguistisch-grammatikalische, Stimmeneinheit in bezug auf die von Urzeit an feststehende „hohe ethische“ Bedeutung dieser Wörter, mag diese selbst auch von verschiedenen Gelehrten verschieden gedeutet werden.
Wenn ich im Verlauf dieser Abhandlung zu anderen Resultaten kommen sollte, die zu den Ergebnissen der Psychoanalyse besser passen, so ist dies keine „Bestätigung der Psychoanalyse durch die Etymologie“, sondern eben Anwendung der Psychoanalyse auf die Etymologie. Der moderne Etymologe wird sich wohl in Hinkunft ernstlich um die Kenntnis der Psychoanalyse bemühen müssen, wenn seine Wortdeutungen nicht weitab von der Wahrheit zu liegen kommen sollen. Er wird dies um so mehr dort tun müssen, wo seine Forschungen in die Geschichte der Kulturentwicklung, der Ethnologie und Anthropologie einmünden. Hier muß er sich von diesen Wissenschaften den Weg weisen lassen. Denn die Hinweise, die die Sprache selbst gibt, mögen noch so deutlich sein, sie bleiben dem Nicht-Psychoanalytiker infolge des Verdrängungsmechanismus verborgen.
Ein Beispiel hiefür: Altindisch (ai.) „dara“ bedeutet: Spalte, Loch, Eheweib und Haus. Der psychoana