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Der vielseitigen Persönlichkeit des romantischen Arztes, Psychologen, Naturphilosophen und Naturwissenschafters Carl Gustav Carus ist bis heute in der psychoanalytischen Literatur wenig Erwähnung getan worden.
Mit Unrecht, denn das Studium seiner speziell psychologisch orientierten Schriften1 läßt uns erstaunen ob der Fülle, der Gründlichkeit der Behandlung und der meist echt tiefenpsychologischen Lösung der Probleme, und man ist es Carus und der Wissenschaft schuldig, auf die innigen Zusammenhänge, die zwischen den Forschungsergebnissen des besonnenen Spätromantikers und der Psychoanalyse bestehen, hinzuweisen.
Es ist auch deswegen notwendig, zu zeigen, wieviel wir mit Carus gemein haben, inwiefern sein Werk als ein Grundriß (aber auch nicht mehr) zum Lehrgebäude der Psychoanalyse angesehen werden kann, weil Ludwig Klages und sein Kreis, die sich um die Neuausgaben und Interpretierungen Carusscher Werke Verdienste erworben haben, in gelegentlich etwas hochtönenden Worten versuchen, Carus, begabt mit „unvergleichlich größerem Gesichtskreis“, als moderne Seelenforscher ihn besitzen, über diese, die „eine kleinleutemäßige Enge des Geistes verraten“, hinauszustellen. Wir werden zeigen können, daß die Psychoanalyse nicht nur wichtigste Forderungen und Wünsche von Carus, die insbesondere den Rapport mit dem Unbewußten und die Therapie betreffen, zu realisieren vermochte, sondern den vom Romantiker vorgezeichneten Weg in die Tiefe der Seele weiter verfolgte, als seine Phantasie ihn diesbezügliche Möglichkeiten erahnen ließ.
„der strengste und behutsamste unter den romantischen Denkern“, wie ihn Ricarda Huch in ihrer Romantik nennt, wurde 1789 in Leipzig geboren und