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Hier wird nicht der „Ursprung des Mythos“ oder die Zurückführbarkeit des einen mythischen Inhaltes auf einen anderen mythischen Inhalt zur Frage gestellt, sondern der Mythos wird als eine eigentümliche und ursprüngliche Lebensform erwiesen und es werden die „Bedingungen seiner Möglichkeit“, die „Form“ des mythischen Bewußtseins, das einheitliche geistige Prinzip des mythischen Denkens erforscht. Der Mythos als „Denkform“ wird unter dieser Betrachtungsweise charakterisiert durch seine jeweilige „Präsenz“, durch seine „Zeitlosigkeit“, durch das Vorherrschen der räumlichen Orientierung, durch Nicht-Unterscheidung der verschiedenen Realitätsstufen, durch seine Traumähnlichkeit, durch Unkenntnis des Todes, durch Identität von Bild und Sache, durch die Dinghaftigkeit des Wortes, durch das Fehlen der Kategorie von Ursache und Wirkung, so wie es das entwickeltere Denken kennt, statt dessen bestimmt, durch das Vorhandensein einer Kategorie von Ursache und Wirkung als zeitliches oder räumliches Berühren durch die Vertretbarkeit zwischen Ganzem und Teil, durch die dinglich-substantielle Ansicht des Wirkens — also durch Kennzeichen, welche Freud für das Unbewußte des Kulturmenschen nachgewiesen hat (worauf wir aber keine Hinweise finden). Wichtig ist vom Standpunkte der Logik aus die Feststellung, daß wir im mythischen Denken nicht andere Kategorien als in der empirisch-wissenschaftlichen Erkenntnis vorfinden, sondern daß man dieselbe Qualität der Kategorie nur mit anderer Modalität vorfindet. Die Modalitäten der verschiedenen Kategorien zeigen aber alle auf einen bestimmten Typus des Denkens, denselben in sich eigentümlich geschlossenen, spezifischen Typus, den auch die Anschauungsform (die räumlichzeitliche Welt und die Welt der Zahlen) sowie die Lebensform (Ich, Selbstgefühl, Kultus und Opfer) zeigen. Ein Grundgegensatz, nämlich der des „Heiligen“ und „Profanen“ durchwebt alle mythischen Anschauungs- und Lebensformen, mit der „Ambivalenz“ der mythischen Bedeutungen versehen.