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Der hartnäckige und erbitterte Kampf zwischen Hindus und indischen Mohammedanern kann nicht rational erklärt werden und muß seine Determinanten im Unbewußten der Kämpfenden haben. Es bestehen zwischen ihnen keine rassischen oder sprachlichen Differenzen; historisch sind zwar die Mohammedaner als Fremdlinge und grausame Eroberer ins Land gekommen, — aber ebenso war es in Ägypten, wo Mohammedaner heute friedlich neben Kopten und sonstigen Andersgläubigen leben. Es muß also ein besonderes Moment in der Seele der Hindus dazukommen, um ihren fanatischen Haß gegen alles Mohammedanische verständlich zu machen.
Der Autor meint, zwei solche Momente zu sehen: Einmal muß — ähnlich wie nach Jones der Haß der Iren gegen die Engländer darauf beruht, daß sie in Irland ihre Mutter, in den Engländern die Verletzer der mütterlichen Ehre sehen, — Indien für die Hindus die Mutter bedeuten, deren Unangreifbarkeit sie gegen die eindringenden Moslim verteidigen; das wird wahrscheinlich, wenn man an die zahlreichen in Indien verbreiteten Mutterkulte denkt, für die reichlich Belege gegeben werden. Das zweite und wesentlichere Moment errät der Autor mit Hilfe eines Details: Die Hindus machen es den Mohammedanern besonders zum Vorwurf, daß sie rituell Kühe schlachten. Der Vorwurf läßt erkennen, daß dieses Schlachten die Verletzung eines das Leben der Kühe schützenden Tabus bedeutet. Nach den Ausführungen von „Totem und Tabu“ scheint nun die Annahme berechtigt, daß vor langen Zeiten die Kuh in Indien ein Totemtier gewesen sei, wovon sich in brahmanischen Zeremonien manche Überreste erhalten haben. Daß das Töten des Totemtiers als soziale Gefahr mit allen Mitteln abgewehrt, beziehungsweise gerächt werden muß, ist verständlich. Christen und Juden schlachten zwar auch Kühe, aber wenigstens nicht in feierlichem Zeremoniell und nicht in der deutlichen Absicht, die Hindus damit zu verletzen, wie die Mohammedaner.
Phantastisch erscheint — wenigstens dem, der die indischen Verhältnisse nicht näher kennt