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Dem über Anna Schmidt vorliegenden biographischen Material ist zu entnehmen, daß sie am 30. Juli 1857 als Kind einer adligen Familie geboren wurde. Trotz ihres deutschen Namens waren ihre Eltern doch rein russischer Abstammung. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern und wurde streng im christlichen Geist erzogen. Ihre Mutter war sehr fromm, kam allen religiösen Obliegenheiten genau nach und hielt auch alle Fasten ein. Ihr Vater war Jurist und bekleidete eine staatliche Stellung in einer Gerichtsinstitution. Sie hatte keine Schule besucht, absolvierte dagegen die Reifeprüfung am humanistischen Knabengymnasium mit Auszeichnung. Sie beherrschte das Französische gut und war drei Jahre lang Lehrerin dieser Sprache an einem Mädchengymnasium, das sie aber verlassen mußte, weil sie in hohem Grade rheumatisch war. Als sie noch jung war, verlor ihre Familie ihr Vermögen, und so war sie darauf angewiesen, sich ihr Brot selber zu verdienen. Ihr war jede Arbeit recht: sie übersetzte aus fremden Sprachen, sie arbeitete an Zeitungen, schrieb die Lokalchronik, Theaterrezensionen usw.
Was ihre religiösen Ideen betrifft, so ist hierin eine große Verwandtschaft mit den Ideen des bekannten russischen Philosophen Wladimir Solowjow festzustellen. Nicht lange vor dessen Tode hat sie im Briefwechsel mit ihm gestanden und ihn auch einmal persönlich getroffen. Dieser Briefwechsel hat sich erhalten. Am 8. März 1905 ist sie an Gehirnentzündung gestorben.