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Zum erstenmal ergreift ein Fachpsychologe das Wort, um die Freudsche Lehre, rückhaltlos für sie eintretend, seinen Fachgenossen und einem größeren Publikum darzustellen und ihre umwälzende Bedeutung — besonders für Philosophie und Psychologie — klar zu machen. Das Buch beweist in seiner Anlage wie in allen Einzelkapiteln, wie genau der Autor die Freudschen Schriften kennt und wie tief er sich in seine Gedankenwelt hineingearbeitet hat. Wenn die Darstellung der psychoanalytischen Theorienbildung sich im allgemeinen damit begnügt, ein genaues Referat und einen vortrefflichen Kommentar zu Freuds metapsychologischen Aufsätzen „Triebe und Triebschicksale“, „Das Unbewußte“, „Die Verdrängung“ und „Metapsychologische Ergänzung zur Traumlehre“ zu geben, die neueren Forschungsergebnisse weniger berücksichtigt und nicht überall auf die ganze Tiefe und den vollen Umfang der sich ergebenden Probleme eingeht, so ist das eine Einschränkung, die sich der Autor im Sinne seiner Zielsetzung auferlegen mußte.
Wie der Titel des Buches sagt, ist seine eigentliche Absicht, die Lehre vom Unbewußten darzustellen. Da für den Psychoanalytiker die Lehre vom Unbewußten fast mit der von der Psyche überhaupt zusammenfällt, („Das Unbewußte ist das eigentlich reale Psychische. Das Attribut des Bewußtseins kann noch hinzutreten oder auch nicht“) (S. 129), muß die gesamte psychoanalytische Theorie behandelt werden. Eine Einleitung spricht über das „Unbewußte vor Freud“, dann werden wir über das „Unbewußte“ bei Freud, dessen Rechtfertigung und Theorie belehrt; zum Schluß wird die Bedeutung des Unbewußten für die Geisteswissenschaften übersichtlich gewürdigt.
Leibniz, Schopenhauer, Maine de Biran, E. v. Hartmann, Fechner, Nietzsche und Butler haben vom „Unbewußten“ gesprochen, jeder hat etwas anderes darunter verstanden; eine kurze Übersicht über diese Lehren zeigt, daß sie alle „das Gepräge eines verschwommenen Produkts der theoretischen Spekulation“ (S. 37) tragen. Levine streut dabei gelegentlich mehr