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Jede Psychologie, welche das komplexe seelische Geschehen begrifflich zu erfassen sucht, sieht sich vor der Frage nach Bedeutung und Erkenntniswert des psychologischen Verstehens. Diese Frage zielt auch nach einer der entscheidenden methodischen Voraussetzungen der Psychoanalyse als Wissenschaft. Für die Psychoanalyse, welche — wenn wir ihre Abkömmlinge hier außer Betracht lassen — die Psychologie seelischer Zusammenhänge ϰατ' ἐξοχήν genannt werden darf, muß die Auseinandersetzung mit dem Wesen des „Zusammenhängens“ auf psychischem Gebiet und mit der Art, in welcher es erkannt wird, ein dringliches Problem sein; die Frage nach der Dignität des psychologischen Verstehens als eines Erkenntnismittels ist wissenschaftstheoretisch eine ihrer Grundfragen. Von der Stellungnahme zu diesem Fragenkomplex hängt nicht nur die Entscheidung für oder gegen den naturwissenschaftlichen Charakter der Psychoanalyse, sondern auch die viel wichtigere über die Geltung ihrer Beweismethoden ab.
In der seit der Arbeit Diltheys — er hat als erster das Problem greifbar herausgestellt — immer breiter anschwellenden Literatur über das Verstehen in der Psychologie kommt der Arbeit Roffensteins eine hervorragende Stellung zu. Er befreit den Begriff von den Unklarheiten, welche ihm in der Fassung durch Jaspers u. a. anhaften — Jaspers war zu dem Resultat gekommen, daß auch die Psychoanalyse im Wesen keine kausal gerichtete, sondern eine „verstehende“ Methode sei! — und weist die sogenannte geisteswissenschaftliche Psychologie, welche im Verstehen die adäquate Methode zur Erfassung des „höheren“ Seelenlebens sieht, in die ihr angemessenen Schranken. Seine Kritik zeigt eindringlich und klar die Mängel einer solchen Erkenntnisweise für jede Psychologie, die Wissenschaft vom realen Seelenleben sein und nicht—in metaphysischer Wendung, wie etwa bei Spranger—Zusammenhänge des „objektiven Geistes“ aufzeigen will; er erweist weiter die Annahme eines Auseinanderfallens verständlicher und kausaler Zusammenhä