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Utitz unternimmt in diesem Buche das Wagnis, aus den bisher gewonnenen psychologischen Erfahrungen eine wissenschaftliche Charakterkunde zu umreißen — Ein ungeheures Material wird herangetragen. Gemacht wird daraus ver zweifelt wenig. All die hundert Wege, auf denen Utitz für eine Charaktero logie gültige Kategorien zu gewinnen sucht, haben nur in einem beschränkten Räume Gültigkeit, dann werden sie — ein Spiel, das in eintöniger Weise das ganze Buch durchzieht — von andern Wegen gekreuzt und relativiert. Ob es sich um „Richtungsbestimmtheit“, „Dimensionalität“, „Dynamik“, „Rhythmik“, ob es sich um Ansprechbarkeit, Nachhaltigkeit, Bewußtseinsgrad, ob es sich endlich um Ziel- oder Willens- oder Künstlercharaktere handelt, überall wird an der Vielgestaltigkeit des Einzelfalles die Absolutheit des Idealfalls oder der idealen Strebung endlich doch unmöglich. Vor dieser Tatsache flieht Utitz in die Geste der Bescheidenheit. Wir empfehlen ihm, diesen Schritt noch einmal zu prüfen, nachdem er seinen Widerstand gegen die psychoanalytische Forschung, hauptsächlich die der letzten Jahre, aufgegeben und sich in „die — zum Teil ergreifende — Mystik der Greisenjahre Freuds“ vertieft hat. Er braucht diese „Mystik“ um so weniger zu fürchten, als sie ja seiner Ansicht nach „eher aus der Psychoanalyse heraus, als in sie hinein“ führt. — Dort wird er die drei Arten der psychologischen Betrachtungsweise vorfinden, die dynamische, die ökonomische und die topische. Dort wird er endlich auf eine Gliederung der Persönlichkeit stoßen; macht doch die Einführung der im Unbewußten verankerten Persönlichkeitsinstanzen, des Es und des Überichs und die Kenntnis ihrer Wirkungsmöglichkeiten auf das Bewußtsein Charakterologie erst möglich.
Da Utitz aber die Psychoanalyse verschmäht, weiß er nur von „Ichmasken“ zu reden, mißt er nur immer wieder das Ich am Ich, und sieht nicht, daß das Problem der Ichgestalt nicht und nie auf dem Boden der Ichgestalten selbst gelöst werden kann. Nirgends wird ihm kla