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In dieser verdienstvollen kleinen Arbeit wird gezeigt, wie groß die Bedeutung der liebevollen Erziehung für die Herstellung der moralischen Hemmungen ist. „Je weniger zärtliche Liebe einem kleinen Kinde geschenkt wird, desto weniger wird es geneigt sein, auf primitive Triebbefriedigungen zu verzichten und die Libido … in gesellschaftsgerechte Bahnen hineindrängen zu lassen.“ Die
Bedeutung der Milieuwirkungen für die Entwicklung der Sublimierungsfähigkeit wird mit Recht besonders hervorgehoben. Die Angst, die im Schuldgefühl gefunden wird, sei erst in zweiter Linie Straffurcht, im Kern sei sie Angst vor drohendem Liebesverlust.
Für nicht zutreffend halten wir die Ansicht, daß „hochgradige Liebesunfähigkeit, das Unvermögen, zärtliche ‚Objektbindungen’ herzustellen, die konstitutionelle Grundlage des moralischen Defektes“ sei. Die Analysen „moralisch Defekter“ — der weniger wertende Begriff „triebhafter Charakter“ wäre vorzuziehen — zeigen, daß die als angeboren imponierende Liebesunfähigkeit ein Erfolg allzu brutaler oder (seltener!) zuviel gewährender Erziehung ist. Davon abgesehen ist schwer vorzustellen, wie Liebesunfähigkeit angeboren sein sollte, da doch nur die Libido, an erogene Zonen gebunden, mitgebracht wird und die Objektliebe, wie Freud gefunden hat, sich erst relativ spät entwickelt; auf die Art dieser Entwicklung hat einzig das Erlebnis Einfluß.
Richtig ist, daß das Schuldgefühl von der Liebesfähigkeit abhängt, aber daraus ergibt sich noch nicht, daß die moralisch Defekten kein Schuldgefühl entwickelt hätten. Im Gegenteil: wir sehen, daß bei Fällen von moral insanity ein verdrängtes Schuldgefühl mit am Werke ist und daß das mit dem Ich im Konflikt stehende Über-Ich nicht imstande ist, die Impulse zu hemmen.
Der Autor tritt dafür ein, „daß das Hauptziel der Erziehung in der Weckung, Förderung und Erhaltung der Liebesfähigkeit bestehen muß“, und berührt das Kernproblem der Erziehung, indem er schreibt: „… Die Störungen des Liebeslebens der Eltern verdienen