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Seit dem Erscheinen im Jahre 1860 von Bachofens berühmten Werk „Das Mutterrecht“, das sich in seinen Untersuchungen hauptsächlich auf das Studium der klassischen Literatur stützt, haben die dort aufgedeckten Sitten und Meinungen der primitiven Völker stetig wachsende Aufmerksamkeit gefunden und heute steht dieser Gegenstand im Mittelpunkte des anthropologischen Interesses. Spätere Forschungen haben zwar einige Behauptungen Bachofens erheblich modifiziert, die meisten jedoch bestätigt und gezeigt, daß ihr Geltungsbereich noch ausgedehnter ist, als Bachofen beweisen konnte.
Aus Gründen, die ich sofort nennen werde, pflegt dieses Thema jedoch starke Gefühlsreaktionen auszulösen, so daß die Schlußfolgerungen und wahrscheinlich auch die Beobachtungen selbst nur allzu häufig parteiisch sind. Naturgemäß sind daher viele Bilder, die man vom primitiven „Matriarchats“ Staat entworfen hat, sehr phantastischer Art. So finden wir beispielsweise in Vaertings „The Dominant Sex“ eine stark gefärbte Darstellung von einer extremen Umkehrung des Verhältnisses der beiden Geschlechter. Vaerting berichtet, daß nicht bloß die Kinder ausschließlich der Mutter gehören und mit dem Vater weder blutsverwandt noch versippt sind, sondern daß auch alles Vermögen einzig der Frau gehört und nur durch sie vererbt