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In meiner psychoanalytischen Praxis habe ich häufig Gelegenheit gehabt, Ablösungen jüdisch-orthodoxer Analysanden von den früher für sie verbindlichen Riten und Zeremonien zu beobachten. Bei diesen Ablösungen, die sich selbstredend ebensowenig auf einmal vollziehen, wie etwa diejenigen eines Zwangsneurotikers vom neurotischen Zeremoniell seiner „Privatreligion“,1 konnte ich die auffallende Beobachtung machen, daß die Reihenfolge, in der die verschiedenen Verbote und die zu ihrer Sicherung dienenden Vorschriften aufgegeben wurden, bei sonst noch so verschieden gelagerten Neurosen ungefähr die gleiche ist; und zwar werden in der Regel zuerst die täglichen Gebetsübungen, zuletzt die Befolgung der rituellen Speisegesetze aufgegeben.
Selbstredend können zum Teil Gründe der Milieufixation bei dieser Auswahl mitbestimmend wirken: die von der Umwelt nicht kontrollierbaren Religionsübungen werden später aufgegeben als solche, die der Beobachtung durch Autoritätspersonen ausgesetzt sind. Indessen genügt diese Deutung um so weniger, als auch bei isoliert lebenden Personen der gleiche Mechanismus nachweisbar bleibt.
Es muß deshalb an eine besonders tiefliegende ontogenetische Verankerung des Speiserituals gedacht werden; und da wir von Freud lernten, daß „der Satz, die Ontogenie sei eine Wiederholung der Phylogenie auch