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Ein Knabe meines Dorfes hat sich als Fünfeinhalbjähriger den Übernamen „Güggelimetzger” (Hahnenmetzger) erworben. Darauf ist er noch heute sehr stolz. Von seinen Geschwistern und Kameraden ist er mehr gefürchtet als geliebt. Er besitzt unter ihnen immer eine Führerrolle, trotzdem er (oder weil er!) eigensinnig, jähzornig, starrköpfig und oft grob und gewalttätig mit ihnen ist. Der Vorfall, der ihm seinen Übernamen einbrachte, wurde mir seinerzeit unmittelbar von seiner Schwester berichtet, nun auch von ihm selber, er ist unterdessen dreizehnjährig geworden. Die Berichte decken sich; der Knabe erzählt seine Tat wie ein Renommierstück.
An einem Mittag hatten zu Hause Vater und Mutter einen Streit. Die Eltern sind ungebildet und besitzen eine zahlreiche Kinderschar; die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Häuschen weit abseits des Dorfes. Der Vater ist Fabriksarbeiter und Kleinbauer. Bei dem Streite ging es tätlich zu. Die Folge davon war, daß beide Eltern aus dem Hause fortliefen. Unser Bub, Alfred, war vor Zorn und Verzweiflung über den elterlichen Streit hinter das Haus gelaufen, wo er sich auf den Dangelstock setzte und laut weinte. Auf einmal sah er den Hahn, wie er eine Henne „traktierte“. Bei diesem Anblick wurde es ihm plötzlich „rot vor den Augen“, ohne Überlegung sprang er auf, packte den Hahn, lief mit ihm in den Holzschopf und schlug ihm mit dem Gertei den Kopf weg Den Kopf warf er in die Jauchegrube. Dann rupfte er den Hahn, schnitt ihm die Beine ab und die Eingeweide heraus und ließ die Abfälle dem Kopfe nachwandern. Die Blutspuren wurden mit Sägemehl zugedeckt; hierauf lief der Knabe in die Küche. Dort machte er Feuer, setzte den ehernen Topf auf den Herd, tat Fett darein und briet den Hahn. Die