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Röheims großes Werk über den australischen Totemismus bedeutet den Anfang einer neuen Phase in der Entwicklung der pychoanalytischen Ethnologie. Bis zur allerletzten Zeit stand die psychoanalytische Erforschung ethnologischer Probleme auf der Stufe der Symptomanalyse und so viel sie auch zum Verständnis der verschiedensten völkerpsychologischen Fragen beitrug, Heß sie doch Lücken offen, die sich mit der Entwicklung unserer Wissenschaft immer fühlbarer machten. Die Analyse einzelner Ruiturelemente gab uns kein Bild davon, was diese für die Libidoökonomie innerhalb des betreffenden Volkes bedeuten. Wir konnten uns z. B. wundern, wie es kommt, daß bei primitiven Völkern so manches klar zutage zu liegen scheint, was in der Analyse des Einzelnen mühselig erschlossen werden muß, mit anderen Worten: Wir gewannen keinen Eindruck davon, welchen Grad der Verdrängung irgendein Symbol vertritt. Röheim macht nun in seinem Buche den Fortschritt von der Symptomanalyse, die sich in der Deutung einzelner Symbole erschöpft, zur Analyse der gesamten Persönlichkeit, d. h. einer Kultureinheit im Rahmen der historischen Realität. Neben den sehr interessanten Ergebnissen ist dies sicher eines der Hauptverdienste des Röheimschen Buches und muß wegen seiner allgemeinen Bedeutung besonders hervorgehoben werden.
Freuds grundlegendes Werk „Totem und Tabu” deckte die allgemeine Bedeutung des Odipus-Komplexes für die Entstehung und Entwicklung der menschlichen Kultur auf und ergaben so den Gesichtspunkt, der das psychologische Verständnis der menschlichen Einrichtungen überhaupt erst ermöghcht. Es ist nur selbstverständlich, daß anfänglich die Bestätigung der AUgemeingültigkeit der Freud sehen Funde das Hauptinteresse auf sich zog, doch mit der Entwicklung der Psychoanalyse eröffneten sich neue Möglichkeiten der Anwendung, denen der Autor gerecht zu werden sucht. Da wir bereits darüber belehrt wurden, daß die Menschen, welcher Rasse oder Kultur sie auch angehören, in ihrem Wesen, d. h. in ihrem U