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Vortrag in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung am November 1927
Als Ausgangspunkt wollen wir ein kleines Problem wählen, das schon seit geraumer Zeit Forschern viel Kopfzerbrechen verursacht. Schon im Altertum und noch heute, bei den meisten zivilisierten Völkern, stattet die Volksironie den betrogenen Ehemann mit Hörnern aus. Nun sind aber die Hörner ein Merkmal der Kraft, bei vielen Tiergattungen sogar das der Männlichkeit und bei vielen Religionen auch das Kennzeichen der mächtigsten Götter. Auf welchem Umwege mag dieses Attribut der Männlichkeit dazu gekommen sein, in den Augen des Volkes gerade die Schwäche, die Blindheit, das Unvermögen des betrogenen Ehemannes zu symbolisieren?
Denn der Ehemann z. B., der Rache nimmt und tötet, gilt weder dem Franzosen als „cocu”, noch dem Deutschen als „Hahnrei” und auch der Volksmund wird ihm keine Hörner aufsetzen. Nur den hintergangenen Ehemann trifft das Volk mit dieser Bezeichnung.
Wir stellen das Problem am besten dar, wenn wir zunächst Hermann Schrader („Der Bilderschmuck der deutschen Sprache”, Artikel „Das Horn”, 7. Ausgabe, S. 107 ff. Berlin ) zitieren. Nachdem er verschiedene Hornsymbole geschildert hat, die das Horn mehr oder weniger als Kennzeichen der Kraft und Macht erscheinen lassen, sagt Schrader: