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Die Geistlichkeit hat begreiflicherweise nicht gerne ihre Macht über die verschiedenen Wissenszweige (vor allem die Medizin) aufgegeben, deren Hüter sie einst war, und man hat lange schon eingesehen, daß der letzte und vielleicht hartnäckigste Kampf mit ihr auf dem Gebiet der Psychologie und der psychologischen Medizin zu bestehen sein wird Der Autor dieses Buches, ein gelehrter Jesuit, verteidigt die hoffnungslose Position der Geistlichkeit. Er durchmißt das ganze Gebiet der klinischen Psychologie und stellt für jedes schwierige Problem nach bewährtester excathedra-Art ein Gesetz auf. Er widersetzt sich heftig den Bestrebungen, die Neurasthenie als eine Aktualneurose oder als eine Psychoneurose aufzufassen, und belehrt uns, was sie tatsächlich ist; er urteilt anerkennend über den Wert der Hochfrequenzbehandlung von Arsonval und gibt uns Anweisungen darüber, wann und auf welche Art die Traumforschung für therapeutische Zwecke verwendet werden dürfe. Die Sicherheit bei der Entscheidung über derartige Dinge und der Anspruch höchster Autorität, der das ganze Buch durchzieht, sind durchaus verständlich, wenn wir daran denken, daß der Autor ein unfehlbares vade mecum zur Wahrheit besitzt: Er braucht sich bloß zu fragen, welche Lösung eines Problems am besten mit den Lehren der katholischen Kirche übereinstimmt, — and jeder Zweifel ist behoben. Wo es paßt, führt er ärztliche Erwägungen zur Unterstützung seiner Behauptungen an; wo dies nicht der Fall ist, beschwört er den Donner der Kirche und erläßt laute Schmähungen gegen die Unmoral jener, die anders denken als er. Sein Weg ist vorgezeichnet.
Wir sehen uns jedoch gezwungen, auf einen Mangel dieser anscheinend unanfechtbaren Stellung aufmerksam zu machen. Maßgebende Persönlichkeiten, die sich auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und besonders der ethischen Allwissenheit so erhaben dünken, übernehmen dabei eine gewisse Verantwortung. Wenn es sich z. B. herausstellt, daß ihr wissenschaftliches und besonders ihr ethisches N