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Das Buch hat ohne Zweifel Vorzüge, die es empfehlenswert machen: Es ist einfach geschrieben, bringt schönes Material und führt das Thema aus großer Vielseitigkeit heraus zu einem gewinnend einfachen Schluß:
Das philosophische Denken nämlich diene: „1) als Ersatz des praktischen Handelns der Abfuhr unverwendeter Triebenergien; 2) es schafft an Stelle der rauhen und unbezwinglichen, daher unbefriedigenden Wirklichkeit eine schmerzfreie und beherrschbare, daher befriedigende Welt; 3) es führt auf einem Umweg zur realen Befriedigung mächtiger Interessen. Auf alle drei Weisen aber dient es der Erhaltung seelischer Gesundheit; sein Wert ist ein seelenhygienischer.“
Zu diesen Schlüssen konnte man nun allerdings auch ohne Zuhilfenahme psychoanalytischer Begriffe gelangen. Es scheint das Schicksal unserer Wissenschaft zu sein, daß ihre Wortbegriffe oft gerade an den Stellen verschleiernd Verwendung finden, an denen der Psychoanalytiker selbst eine psychologisch tiefer schürfende Begründung des Tatbestandes wünschen möchte. Begriffe, wie „Sublimierung“, „Libido“, „Verdrängung“ usw. lassen sich nun einmal nicht einfach „nach Freud“ gebrauchen, sondern bedürfen jedesmal, wenn sie auf ein neues Gebiet angewendet werden, der bis ins letzte gehenden psychologischen Fundierung im gegebenen Material. Was kann z. B. Herzberg letzten Endes unter „Sublimierung“ verstehen, — so muß sich der Analytiker fragen, — wenn er die „Hypothese vom Ursprung des Erkenntnistriebes aus sexueller Neugier, von der Entstehung des philosophischen Denkens aus der Verdrängung sexueller Impulse“ als unhaltbar ablehnt?
So eilt er denn auch, nachdem er den Triebmechanismus in seinen rohesten Umrissen geschildert hat, bereits zur finalen Deutung, der Wert der Philosophie sei ein hygienischer. Von der, für das Verständnis der Philosophen so wichtigen Regression, von der homosexuellen Einstellung und ihrer Sublimierung erfahren wir nichts. Die prägenital determinierten Triebqualitäten werden nicht genetisch untersu