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Die Spottgebärde der „langen Nase“ war vor einiger Zeit einmal Gegenstand einer kleinen Diskussion in der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, bei der sie im wesentlichen als eine exhibitionistische Demonstration des eigenen Penis aufgefaßt wurde; wenn bei Mädchen diese Spottgebärde beliebter ist als bei Knaben, so läge das im Sinne der Wunscherfüllung: Knaben, die einen wirklichen Penis besäßen, hätten es nicht nötig, einen illusionären Penis zu demonstrieren.
Diese Auffassung läßt den Sinn der Gebärde als Spottgebärde gänzlich unerklärt. Der Sinn: „Sieh meinen Penisi“ könnte — je nachdem — Lüsternheit oder Angst erwecken, aber nie Beschämung, es wäre denn, er setzte sich fort: „Du aber hast keinen,“ worauf aber in der Gebärde nichts deutet. Dieselben Überlegungen gelten auch für das Herausstrecken der Zunge, das eine der „langen Nase“ analoge Gebärde ist.
Überlegen wir uns, daß Gegenstand des Spottes immer die verspottete Person und ihre Eigenschaften ist, während doch die Eigenschaften der Subjektperson nur Gegenstände des Protzens, Imponierenwollens, aber nicht des Hohnes sind. Bekannt und psychologisch ohneweiters verständlich wäre die Spottbedeutung, wenn man einer Person ihre eigenen Schwächen vorhielte. Kein Problem läge vor, wenn das „Ich habe es, du hast es nicht“ dadurch in der Gebärde markiert würde, daß der Mangel dargestellt wäre, also etwa wenn man eine „kurze Nase“ machte. Als Nachahmung der Schwächen der Objektperson sind ja die meisten folkloristischen und kindlichen Spottgebärden zu verstehen. Daß das Nachäffen als Spott aufgefaßt wird, ist sowohl in der Psychoanalyse wie im täglichen Leben eine Selbstverständlichkeit, besonders wenn isoliert die Schwächen dargestellt werden (Karikatur).