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In diesem Programmartikel wird zunächst die praktische Frage aufgeworfen, welche Lücke zwischen den anderen Disziplinen Völkerpsychologie und Soziologie auszufüllen haben. Die Psychologie sieht es auf den Einzelmenschen ab, die gesellschaftlichen Zusammenhänge bleiben dabei im allgemeinen unbeachtet. Die Nationalökonomie befaßt sich wohl mit sozialen Vorgängen, doch überwiegend vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, und für die Staatswissenschaft kommen die sozialen Vorgänge nur in Beziehung zum gesatzten Recht in Betracht. Die Geschichte strebt eine Reproduktion vergangener Vorgänge und die Aufdeckung singulärer Zusammenhänge an, mit nur wenigem Interesse für die allgemeinen Grundlagen gesellschaftlicher Gestaltung. „Und doch ist die Erkenntnis der die menschliche Gesellung bindenden psychischen Kräfte von der größten Bedeutung für das Wohl der Einzelnen wie der Gemeinschaft. Dieser Gegenstand soll in den Mittelpunkt der vorliegenden Zeitschrift gerückt werden,“ In seinen methodologischen Ausführungen betont Thurnwald, zu welchen Fehlern es führen kann, wenn man die menschliche Gesellung, die Gruppe, als eine isolierte und einheitliche Erscheinung betrachtet. Das gesellige Leben stellt nur eine Komplementärerscheinung zum Individuellen Leben dar. Das, was Gesellschaftsleben genannt wird, besteht nur in einer Abstraktion von Vorgängen, die sich in vielen Einzelmenschen abspielen. Daher müssen alle Begriffe von einer Art sozialer Überseele (Volksgeist, Gruppenseele, Zeitgeist u. dgl.) abgelehnt werden, wenn sie anders als in bildlichem Sinne oder anders als nur zusammenfassend und vereinfachend gebraucht werden. „Hier scheiden sich unsere Wege von Steinthal und Lazarus und auch von Wundt.“ Diese