You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Behandelt eingangs die Psychologie der russischen Feudalen, die nicht nur Großgrundbesitzer waren, sondern zugleich Großseelenbesitzer. Treten Menschen dieser von Machtfülle übersättigten Schicht auf das geistige Gebiet hinüber, so entfalten sie selbst in ihren begabtesten Vertretern einen geistigen Despotismus und naiven Subjektivismus, eine verblüffende Unfähigkeit zu Selbstkritik, die sich als seelische Erbeigenschaft aus der innerlich erschütterten Vormachtstellung ergibt. (Wird an Tolstoi exemplifiziert, als dessen deutsche Parallele Keyserling dargestellt wird.) — Im Kapitel „Der Bauer“ wird auseinandergesetzt, wie die Erlösungssehnsucht des russischen Menschen, die „Sündenlosigkeit“ als Ziel seiner Ethik identisch werden mit einer politischen Frage: das leidende Volk von leiblicher und seelischer Not befreien! Das Schuldgefühl des Russen wird abgelenkt vom eigenen Ich auf das Kollektiv-Ich, Der russische Sozialethiker fordert Sühnung der Sozialschuld, die Selbsterniedrigung. Die Übersteigerung des russischen Schuldbewußtseins konnte entstehen, weil der Russe der Welt ohne Vermittler gegenübersteht: das griechischorthodoxe Christentum war ohne die geistige Initiative der römischen Kirche und ohne die ethische Führung des Protestantismus. — Die Staats- und Kulturprinzipien des Bolschewismus (gegen Privateigentum, gegen Familie, gegen Individualismus) erklärt sich aus dem Tiefenhaß gegen den Gottglauben. Der antiindividualistische Gotteshaß des revolutionären Russen ist eng verknüpft mit seiner Urfeindschaft gegen die Monarchie. Der eine unerschütterliche Gott-Zar-Staat war gemäß dem in der russischen Familienpraxis noch stark lebendigen