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Aus diesem kleinen Lehrbüchlein spricht viel aufrichtige Menschenliebe, die den Zöglingen der Heilpädagogik helfen will. Da aber der Autor die Ergebnisse der Psychoanalyse außer acht läßt, führt ihn sein guter Wille nicht weit in die Tiefe und neben der Beschreibung der geringen somatischen Grundlagen von Verwahrlosung und Dissozialität kommt über Seelisches nur Alleroberflächlichstes zur Sprache. Das komplizierte Zusammenspiel verschiedenster Faktoren in der Ätiologie der „Schwererziehbarkeit“ wird in erstaunlichem Grade simplifiziert. Die Schwierigkeiten im häuslichen Milieu der Dissozialen werden so besprochen, wie sie sich dem mit gewöhnlicher psychiatrischer Exploration arbeitenden wohlwollenden Beobachter zeigen; auch die infantile Sexualität, die ja einem solchen Wohlwollenden nicht verborgen bleiben kann, wird anerkannt. Vom Ödipuskomplex allerdings meint Lazar, daß er nur bei neuropathischen Kindern auftrete (S. 35). Ein Mißverständnis besteht bezüglich der „Latenzzeit“, von der Lazar meint, sie liege zwischen Pubertät „und der Zeit, in der die geschlechtliche Betätigung vor sich gehen soll“, (S. 35) und in der Geschlechtsverkehr „charakterologisch schädigend“ wirke. Die Masturbation „gehört wohl zu den lästigen, … nicht aber zu den gefährlichen Betätigungen des Geschlechtstriebes“ (S. 37). Es ist wohl ein Irrtum, wenn Lazar meint, daß Koprophilie in späterem Kindesalter „als ein Symptom schwerster Entartung“ zu werten sei.
Kindliche Ungezogenheit, Dissozialität und Kriminalität werden deskriptiv besprochen, wobei der psychoanalytische Leser bedauert, daß so viele solcher Typen analytisch noch nicht untersucht sind, und dann nach üblichem psychiatrischen System eingeteilt. Im Kapitel über „neurotische Erscheinungen“ werden diese nach Janet eingeteilt und von Freud nur gesagt, daß seine Meinung über den Zusammenhang zwischen Neurosen und Sexualität zwar insofern richtig sei, als Neurosen sich im Gebiet des Sexuellen manifestieren, es aber fraglich