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„Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.“
Die Studie, die ich hier folgen lasse, entstand allmählich im Verlaufe mehrerer Jahre. Den ersten Anstoß dazu gab Freud selber, der mir auch später seinen Rat nicht versagt hat. Ohne ihn ist diese Arbeit überhaupt nicht zu denken, denn sie ruht auf den Grundlagen der Psychoanalyse, dieser nunmehr historischen Methode und unentbehrlichen Voraussetzung jeder biographischen Untersuchung.
Der Weg, der vor uns liegt, ist außerordentlich mühsam, und zwar aus verschiedenen Ursachen. Goethe ist so viel gelesen und so sehr Allgemeingut, daß wir nichts von ihm erwähnen können, ohne mannigfaches Echo zu erwecken. Dieses Echo ist aber erwünscht oder gefürchtet, je nachdem es hilft, unsere eigenen Gedanken mitzuteilen oder nicht. Wir brauchen doch nur einzelne Worte anklingen zu lassen, wie „Götz“ oder „Faust“, um beim Leser eine ganze Welt emporzurufen. Diese Welt ist aber in jedem Leser eine andere und dieses vielfältige Echo verwirrt und ängstigt wiederum den Schreibenden, denn jeder hat ja „seinen“ Goethe und da läßt man sich nicht gerne hineinreden.
Die Schwierigkeiten, denen wir begegnen werden, liegen auch im Dichter selber. Goethe war den Versuchen, der Genese seiner Phantasiegestalten nachzuspüren,