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„… Soll aber und muß Geschichte sein, so kann der Biograph sich um sie ein großes Verdienst erwerben, daß er ihr das Lebendige, das sich ihren Augen entzieht, auf bewahren und mitteilen mag …“
Aus einem Entwurf der Vorrede zum dritten Teil von „Dichtung und Wahrheit“.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß wir nur wenige Zeilen der Epen Homers in dem Sinne verstehen, der ihnen ursprünglich eigen war, und daß wir kaum etwas von den Erzählungen der Bibel in der Bedeutung ihrer Entstehungszeit erfassen. Vielleicht ist der Konservierungsvorgang in der Hochschätzung bedeutender Kunstwerke durch grobe Mißverständnisse ihres wesentlichen Inhaltes bedingt.
Von dieser Erwägung ist es nicht weit zu dem Problem, ob denn die Kunst überhaupt ein unvergängliches Besitztum der Menschheit sei. Diese Fragestellung mag vielen Ästhetikern, Kunstliebhabern und sicherlich allen Snobs absurd, lächerlich oder frevelhaft erscheinen. Sie bleibt dennoch berechtigt. Man weiß, daß die Kunst aus bestimmten seelischen Bedürfnissen entstanden ist. Es ist nicht unmöglich, daß diese Bedürfnisse einmal auf einem anderen Wege Befriedigung erhalten oder neuen Bedürfnissen Platz machen werden. Zumindestens erkennen ernste Kulturbeobachter, daß die soziale Funktion der Kunst im Sinken begriffen ist und ihre Zukunft ist nicht abzusehen.