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Dieses Sonderheft zum Thema „Nacktheit und Erziehung“ ist wohl eines der dankenswertesten, die diese Zeitschrift bisher herausgebracht hat. Die mit der Nacktheit zusammenhängenden Erziehungsfragen werden zum erstenmal von Psychoanalytikern erörtert, — und nichts ist so charakteristisch für den Fluß der wissenschaftlichen Forschung, als daß dabei verschiedene Autoren zu ganz entgegengesetzten Resultaten gelangen.
Am konsequentesten ist Reich, der nachweist, daß von den Vorteilen, die man sich von einer „Nacktheitserziehung“ erhofft, keiner erreicht werden kann, solange die Änderung der Erziehungsatmosphäre auf diesen einen Punkt beschränkt bleibt. Soll eine Nacktheitserlaubnis überhaupt einen Sinn haben so muß sie als Teil einer allgemein „sexualbejahenden Erziehung“ versucht werden; eine solche brächte aber, konsequent angewendet, Erzieher und später auch Zögling recht bald in ernste Konflikte mit der herrschenden Gesellschaftsordnung und deren Machtapparat; sexualmoralische Fragen sind heute von klassenkämpferischen nicht zu trennen.
Die übrigen Arbeiten sind bescheidener und wollen aus psychoanalytischen Erkenntnissen über die Wirkungen von Wahrnehmungen der Nacktheit pädagogische Richtlinien gewinnen. Aber bezüglich solcher Richtlinien ist nicht einmal für den Gesichtspunkt der Neurosenprophylaxe Einheit unter den Autoren zu erzielen: Für den Schautrieb gilt zweifellos, was überhaupt für alle Partialtriebe der infantilen Sexualität gilt: Ein Zuviel an Befriedigung kann ebenso Störungen setzen wie ein Zuwenig. Vom Anblick der nackten Körper der Eltern können mannigfache verderbliche Wirkungen ausgehen (vor allem Verstärkung des Kastrationskomplexes), von einem besonderen Schauverbot und einer auffallenden Verhüllung alles Nackten aber erst recht. Deshalb betont Landauer, daß der richtige Weg in der Mitte liegen müsse. Man neige so oft dazu, „Entweder-Oder“ zu fragen, während beide Extreme von Übel sind. „Die Eltern brauchen sich wed