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Das Mitleid, — ein Problem, an dem noch kein Philosoph von Rang achtlos vorbeigegangen ist; an dem heftigen Widerstreit der Ansichten, deren Gegenstand dieses Phänomen seit vielen Jahrhunderten war und wohl noch ist, sehen wir vielmehr selbst die bedeutendsten Denker lebhaft beteiligt und emsig um seine Klärung bemüht, wobei, — für den Analytiker gewiß bloß von historischem Interesse, — hauptsächlich die Frage in den Vordergrund gestellt wurde, ob das Mitleid eine primär egoistische oder altruistische Empfindung ist.1 Die Anhänger ersterer Ansicht gingen von der Voraussetzung aus, daß das Mitleid, schon weil es ein Gefühlserlebnis ist, eine starke Beziehung zum Ich des Bemitleidenden besitzen, sohin „egoistisch“ sein müsse. Überdies stützte sich diese Anschauung in hohem Maße auch auf das der Mitleidsempfindung anhaftende hedonische Moment. Ihren Vater gleichsam hat diese Ansicht in Aristoteles, dem wir eine genaue Analyse des Mitleids verdanken; darin gilt es als Unlust über ein verderben- oder schmerzdrohendes Übel, von dem man auch erwarten muß, daß es uns oder einen der Unserigen treffen könnte. Eine lange Reihe von Denkern, die sich durch die Scholastik und Aufklärungszeit bis in die modernste Philosophie fortsetzt, hat diese Ansicht zu der ihrigen gemacht; wohl als ihre Hauptvertreter sind unter den Engländern Hobbes,