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Meine Damen und Herren!
Die Begriffe „Führerschaft und Gemeinschaft“ stehen heute auf Hochkonjunktur, und besonders alle möglichen Schulverhältnisse werden rasch mit der neuen Marke versehen und als „Gemeinschaftsschulen“ hochtönend feilgeboten. Deshalb mag es einem widerstreben, das Problem nun auch von der psychoanalytischen Seite her angeschnitten zu sehen, und man ist geneigt, wenig Neues zu erwarten. Die psychoanalytische Pädagogik treibt den Lehrer jedoch mitten in den Fragenkomplex „Führer-Masse“ hinein. Sie setzt voraus, daß sich der Lehrer selber einer psychoanalytischen Kur unterzogen und jenes Gefühlsverhältnis erlebt hat, das Freud zum Unterschiede eines anderen Zweierverhältnisses, der Paar-Relation, als „Masse zu zweien“ bezeichnet hat. Damit ist bereits umschrieben, was wir unter „Führer und Gemeinschaft“ begriffen haben wollen: es handelt sich um keinerlei äußerlichen Aufputz, sondern um die psychische Konstellation einer Schülermasse zu ihrem Lehrer-Führer und umgekehrt.
Wir fragen uns: Was für Bedingungen affektiver Natur stellen jene Bindungen her, damit sich die Individuen einer Schulklasse als „Masse“ im Freudschen Sinne untereinander identifizieren, und damit sie vom Identifikations wunsche mit dem Lehrer-Führer und dessen ethischer Leitidee in genügendem Ausmaße gepackt und durchdrungen werden, so daß die Beziehung „Führer-Masse“ entsteht, die Ichideale beeinflußt und das Gefühlsverhältnis zu Sublimierungsleistungen ausgewertet werden kann.