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„Der Prinz von Homburg“ ist das letzte der uns erhaltenen Dramen Kleists. In ihm ist noch einmal die ganze Glut und die ganze Zartheit Kleistscher Empfindung vereinigt und mit einer von ihm bis dahin noch nicht erreichten Meisterschaft zu einem Ganzen geformt, dessen schwingender, mitreißender Rhythmus das tragische Geschehen mit überlegener Heiterkeit durchdringt. Wer diesem Urteil zustimmt, wird sich nur mit Verwunderung des Umstands erinnern, daß der Dichter dieses reifen und wahrhaft erlösenden Werkes nicht ganz zwei Jahre, nachdem er es schrieb, dem Leben entsagte.
Daß zwischen der künstlerischen Produktion und dem Schicksal eines Menschen ein enger Zusammenhang bestehen muß, gilt uns von vornherein als ausgemacht. — Es dürfte gegenwärtig unnötig geworden sein, diese Überzeugung durch Gründe zu erhärten. Um so mehr aber reizt uns die Aufgabe, diesen vorausgesetzten Zusammenhang in jenem anscheinenden Gegensatz ausfindig zu machen.
Versuchen wir zunächst einmal, die Ereignisse des Dramas recht genau zu verstehen.
Das Kernstück der Handlung liegt in dem Vergehen des Prinzen: Von einer unbändigen Leidenschaft zu siegen erfüllt, befiehlt er den Kavallerieangriff zu früh, entgegen dem ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten, mit dem Angriff zu warten, bis ein Bote aus dem Hauptquartier eine entsprechende Order gebracht haben werde.
Ist die Handlung des Stückes bis zu dieser Tat des Helden vorgeschritten, so ist — wie es scheint — das wesentliche Problem gestellt: Es ist der Konflikt zwischen der freien Gefühlsentscheidung des Einzelnen und der