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Es kann nicht ausbleiben, daß die tiefenpsychologischen Einsichten der Psychoanalyse, die am Neurotiker gefunden wurden, nun auch für die Motive und Ziele des Verbrechers aufschlußreich werden und manches bisher Unerkanntes über die Natur der seelischen Reaktionen der strafenden Gesellschaft erkennen lassen. Hier setzen nun Bestrebungen ein, deren Tragweite noch nicht abzusehen ist. Es sind solche wissenschaftlicher und sozialkritischer beziehungsweise sozialreformatorischer Art, die sich die Ergebnisse der analytischen Forschung zunutze machen und sie erweitern. Das Mengungsverhältnis von wissenschaftlichen und sozialkritischen Interessen wird bei Werken, die sich mit den Erscheinungen von Verbrechen und Strafe analytisch beschäftigen, gewiß ein verschiedenes sein: es ist indessen schwer vermeidbar, daß beide darin zum Ausdruck kommen.
Die zwei Neuerscheinungen auf diesem jüngsten Gebiete der angewandten Psychoanalyse bringen eine Fülle von Material und Ergebnissen, welche als solche die Fruchtbarkeit solcher Anwendung zeigt. Ihre Themenkreise sind nicht identisch, berühren einander aber und ihre gemeinsame Besprechung erscheint so gerechtfertigt. Das Buch von Wittels1 erregt schon durch seinen vielversprechenden und programmatisch klingenden Titel unsere Aufmerksamkeit. Es verdient diese, mag man mit seinen Einzelheiten auch nicht einverstanden sein. Der Autor geht von dem „Elend der Strafe“ aus, womit er zweifellos den ganzen Problemenkomplex der Rache und Vergeltung umschreiben will. Es ist nicht ableugbar, daß er ein für unsere Kultur bedeutsames Problem mit viel Eifer und Energie erfaßt und gut dargestellt hat, nicht ableugbar ferner, daß es sich dabei in erster Linie um psychologische Fragen handelt. Was immer die Maßregeln der Gesellschaft gegenüber dem Verbrecher auch sein mögen, diese Maßnahmen sollen ja bestimmte psychische Wirkungen auf ihn und auf die Allgemeinheit haben. Der Psychologe bedarf also keiner Legitimation, wenn er einen bedeutsamen Beitrag