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Meine Damen und Herren, ich gestehe Ihnen, daß der Gegenstand meines Vortrages mich fast ein wenig in Verlegenheit setzt. Seine Darstellung scheint mir mit Schwierigkeiten verbunden zu sein. Wenn es sich nur um eine gewöhnliche psychologische Studie über Jean Jacques Rousseaus Leben handelte, würde ich keinen Augenblick zögern. Eine psychoanalytische Untersuchung ist aber nicht dasselbe.
Es bedarf einer besonderen Einstellung, um vor den nackten Tatsachen objektiv zu bleiben. Nun wissen Sie aber ebensogut wie ich, daß es in unserer Kultur zur Überlieferung gehört, die Wahrheit zu verschleiern, um die Vergangenheit ehrwürdiger zu gestalten, ihr einen Schein von Heiligkeit und Keuschheit zu verleihen. So riskiert man, einen Philosophen, so groß auch sein Genie sein mag, aus der Nähe mit allen seinen Schwächen zeichnend, ihn in den Augen vieler Personen lächerlich zu machen. Um sich davon zu überzeugen, ist es nicht notwendig, Bergsons „Lachen“ gelesen zu haben. Wir aber haben nicht die Absicht, Rousseau zu verkleinern, sondern ihn in seiner vollen Menschlichkeit zu verstehen.
Eine psychoanalytische Studie muß sich auf Fakten aus dem intimen Leben eines Menschen stützen, die jeden, der nicht mit der psychoanalytischen Methode vertraut ist, abstoßen könnten. Man kann darauf erwidern, daß gerade Jean Jacques über nicht allzu viele Skrupel Zeugnis ablegte, als es sich darum handelte, gewisse Wahrheiten, die ihm zum Nachteil gereichen konnten,