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In der psychoanalytischen Trieblehre nimmt der Todestrieb eine eigenartige Stellung ein. Während ein Teil der Psychoanalytiker meint, ihn völlig entbehren zu können, operieren andere mit ihm, wie mit einem Stück Theorie, das auf gesicherter klinischer Erfahrung aufgebaut ist. Freud betont immer wieder den spekulativen Charakter des Todestriebes1 und will die Einführung von Todestrieb und Erostrieb durchaus anders bewertet wissen, als seine übrigen Aufstellungen zur Libidotheorie. Die Libidotheorie erhält nach Freuds Meinung durch den Todestrieb ein spekulatives Moment, weil Freud hier über die Grenzen der psychologisch-psychoanalytischen Methode hinausgeht, indem Todestrieb und Eros biologische Tatbestände, ja allgemeines Naturverhalten (Stabilitätsprinzip) erfassen wollen. Manche Unsicherheiten, Verwirrungen und Irrtümer rühren daher, daß die verschiedenen Bedeutungen, die so das gleiche Wort Trieb erhält, nicht immer genügend auseinandergehalten werden [1].
Psychologisch, das heißt als konkrete Kräfte innerhalb der Person (Es, Ich und Über-Ich) unterscheidet Freud bekanntlich „Sexualtrieb“ und „Destruktionstrieb”. Diesen stehen „spekulativ”-biologisch „Eros und Todestrieb“ gegenüber, die nicht Kräfte in der Person meinen, sondern das allgemeinste Verhalten der lebenden Substanz charakterisieren wollen. Sie sind Prinzipe, oder, wenn man will, Naturgewalten, aber nicht Triebe im engeren Sinn des Wortes. „Todestrieb“ bezeichnet die Tatsache, daß alles Lebende