You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Aus dem russischen Manuskript übersetzt von Elisabeth Naef
„Der Wißtrieb kann weder zu den elementaren Triebkomponenten gerechnet, noch ausschließlich der Sexualität untergeordnet werden. Sein Tun entspricht einerseits einer sublimierten Weise der Bemächtigung, anderseits arbeitet er mit der Energie der Schaulust. Seine Beziehungen zum Sexualleben sind aber besonders bedeutsame, denn wir haben aus der Psychoanalyse erfahren, daß der Wißtrieb der Kinder unvermutet früh und in unerwartet intensiver Weise von den sexuellen Problemen angezogen, ja vielleicht erst durch sie geweckt wird.”
Der Wißtrieb tritt nicht bei allen Kindern mit der gleichen Intensität auf. Unter den vielen Kindern, die zu beobachten ich Gelegenheit hatte, befindet sich ein Kind mit stark ausgebildetem Wissensdrang, der es zu allen möglichen Forschungen, Versuchen und Fragen veranlaßte. Dank diesem Umstände gelang es, die Entwicklung des Wißtriebes vom Beginn seiner ersten Äußerungen ununterbrochen bis zum sechsten Lebensjahre des Kindes, d. h. bis zur Latenzperiode zu beobachten.
Die Erziehung des Kindes, um das es sich hier handelt, wurde grundsätzlich so gehandhabt, daß ihm die größtmögliche Freiheit bei seinen Versuchen, die Umwelt kennenzulernen, gewährt wurde. Auch die Äußerungen des Sexuallebens des Kindes wurden durch nichts eingeengt, weder gerügt, noch sonstwie durchkreuzt. In dem Maße, als es größer wurde, wurde ihm einerseits das Material zur Sublimierung seines Triebes gegeben, anderseits