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Wenn der kleine Knabe irgendwann zum erstenmal statt der ihm, dem Anblick und dem Getast nach, bekannten und gewohnten eignen Genitalien am weiblichen Körper deren Fehlen und den eigenartigen Einschnitt bemerkt, so ist das für ihn, wie längst in der Psychoanalyse bekannt ist, unter Umständen ein Erlebnis von nachhaltigster Bedeutung.
Noch in seinen neuesten Schriften1 hat Freud diese Wirkung aus der Kastrationsangst erklärt: Mit dem Anblick des penislosen Genitales „ist auch der eigene Penisverlust vorstellbar geworden, die Kastrationsdrohung gelangt nachträglich zur Wirkung”.
Eine aus François Rabelais’ „Pantagruel”2 von Lafontaine entnommene und umgedichtete Volksfabel, die sich ähnlich im Plattdeutschen in schleswigholsteinschen Überlieferungen erhalten hat,3 enthält eine literarische Bestätigung dieser psychoanalytischen Entdeckung. Sie schildert uns in humoristischer Weise, wie ein kleiner männlicher Teufel (auch bildlich als solcher dargestellt) auf den erstmaligen Anblick der Genitalien einer Frau reagiert. Das Teuflein hatte nämlich dem Ehemann seinen Besuch angedroht, um mit seinen Krallen Rache an ihm zu nehmen. Die forsche Frau schickte den Ehemann, nachdem sie ihn beruhigt hatte, der Vorsicht halber in das große Weihebecken als Versteck: