You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieses Heft enthält eine Anzahl guter rein analytischer Arbeiten. So teilt Zulliger ein kleines Stück aus der Analyse eines Zwangslügners mit, das sehr hübsch die Gewinnung der bewußten Persönlichkeit des nicht sehr krankheitseinsichtigen Patienten für die Arbeit der Analyse demonstriert und damit den Lesern dieser Zeitschrift ein ausgezeichnetes Bild richtiger psychoanalytischer Technik gibt. Achelis gibt einen hübschen Beitrag zur Analyse eines „Pflastersteinzwanges”, der sich historisch vom Zwang, beim Schreibenlernen die Linien des Schreibheftes genau einzuhalten, d. h. „brav“ zu sein, seine Triebe nicht aufkommen zu lassen, ableitete. Alfhild Tamm erörtert Lese- und Schreibstörungen, die sich als spezifische neurotische Hemmungen erweisen, an Hand von drei Fällen: Ein junger Mann, der wegen seiner unbewußten Einstellung zu seinem Vater nicht vorlesen konnte, ein junges Mädchen mit Lesestörungen, die im elterlichen Verbot anrüchiger Lektüre wurzelten, und ein kleiner Junge mit „Schreibstottern“ (Stekel), das sich durch die Aufdeckung unbewußten Schuldgefühls beseitigen ließ.
Eine größere Arbeit von Schneider untersucht sodann die Beziehungen der Psychoanalyse zur Lehrerbildung. Sie könnte ihr nutzbar werden 1) zur Berufsauslese: Zur Aufstellung einer dazu nötigen „Charakterologie des pädagischen Berufes“ wird nur die Psychoanalyse zahlreicher Pädagogen führen; solange das nicht möglich ist, kann der Rorsch ach sche Formdeutungsversuch als eine Art kurzer diagnostischer Analyse wertvolle Dienste leisten. Sodann ist die „Berufseinstellung”, d. h. die Motivation der Berufswahl, festzustellen, um „unsachliche Berufseinstellungen“ entweder zu eliminieren oder bei Berufsgeeigneten durch eine Psychoanalyse unschädlich zu machen. Die Methode dieser Feststellung kann keinesfalls Befragung (Fragebogen o. dgl.) sein, weil die wahre Motivation ja unbewußt ist. Die Idealmethode wäre die Psychoanalyse aller Kandidaten; da das nicht möglich ist, wird man sich wieder mit dem Ers