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1) Die folgende Untersuchung bedarf einer rechtfertigenden Vorrede. Sie verzichtet nämlich absichtlich auf die dem Psychoanalytiker vor allem gewohnte, d. h. die genetische Untersuchungsmethode, auch dort, wo sie sich auf psychoanalytische Theoreme beruft und mit ihnen operiert. Gleichwohl wendet sie sich ausdrücklich an den Analytiker. Die Methode, die sie anwendet, ist nicht genetisch zu nennen, sie will nicht die religiösen Erscheinungen auf Triebtendenzen und Triebkonstellationen innerhalb der individuellen Entwicklungsgeschichte zurückführen, sondern will lediglich einer begrifflichen Klärung dienen. Sie greift aus dem Umkreis der religiösen Erscheinungen eine einzige, den Gottesglauben heraus und sucht ihn in seine Komponenten zu zerlegen. Sie tut das, indem sie von einem gedachten Idealtypus ausgeht. Man kann, wenn man will, die Methode, im Gegensatz zu einer rein psychoanalytischen oder überhaupt rein psychologischen, eine idealtypisch-analytische nennen. Sie will aber keine spekulative oder dogmatische sein. Sie läßt es offen, wie weit die immer fortschreitende Empirie den vorausgesetzten Idealtypus und seine Analyse als richtig bestätigen oder als falsch erweisen wird.
Der Verfasser ist zu der Aufgabe, die er sich gestellt hat, wesentlich angeregt worden durch die Ausführungen Freuds in seiner „Zukunft einer Illusion“. Diese Schrift läßt die religiösen Vorstellungen teils als Wunsch- und Trostvorstellungen infantilen Charakters, teils als Analoga zu neurotischen